Monthly Archives: Februar 2014

Sinnesrausch

… Augen, Nase, Ohren, Zunge und Haut.. die Welt bietet tagtäglich soviele Sinneseindrücke davon in jeder Lebenslage, und doch bleiben uns nur so wenige davon wirklich im Gedächtnis. Klar die Lieblingsgerichte der Heimat bei der Oma, die vertrauten Gerüche von Zuhause, und die Gefühle die man damit verbindet wenn bei den Eltern alljährlich der Tannenbaum aufgestellt wird, obwohl man nicht mehr wie früher zur Einkehr des Weihnachtsmannes in sein Zimmer geschickt wird. Es gibt sovieles was in uns einen Sinnesrausch verursachen kann, egal ob bewusst oder unbewusst.

Aber es gibt für jeden von uns eines oder mehrere Sinnesorgane, die besonders empfänglich für DEN, unsrigen und einzigen wirklichen Sinnesrausch sind. Bei mir ist es wohl der Geschmacks- und Gehörsinn. Ich liebe altbekanntes, vertrautes Essen, und sei es nur der Döner vom Lieblingsimbiss in der Heimat, der Geschmack von Omas selbstgemachter Hollondaise-Sauce, deren Rezept ich zwar kenne es aber trotzdem nicht an das Original herankommt, oder das Mett auf frischem Brot oder Brötchen. Oder aber einfach Musik, wo man den ein oder anderen Titel mit einem Gänsehauterlebnis verbindet. Und gerade meine Ohren, sind wohl am empfänglichsten und auslösendsten für den meinigen Sinnesrausch.

Ich liebe Musik, in allen Formen, in allen „Farben“, egal ob Rock, Pop, Elektronisches oder was auch immer. Es gibt für mich in jeder Richtung den ein oder anderen Gänsehauttitel und die ich niemals über habe zu hören. Und ganz besonders Konzerte empfinde ich als ein absolutes Erlebnis, man steht da zusammen mit hunderten oder auch tausenden, zehntausenden Menschen und wartet… wartet auf die Lieder die man auswendig kennt und nun endlich live geniessen darf. Egal wieviele andere Menschen, mit denen man sonst nie zusammen kommen würde in dem Moment drum herum stehen, wie eng der Kontakt ist obwohl man sonst jeglichen Körperkontakt mit anderen zu vermeiden versucht, in dem Moment ist allen alles egal. Man genießt einfach den gemeinsamen und doch einzigen Moment miteinander und obwohl man ihn teilen muss ist er doch für jeden so persönlich und einzigartig.

Ich habe euch ein Bild vom Virginia Jetzt! Konzert 2009 zu ihrem LEIDER letzten Album „Blühende Landschaften“ in der Röhre Stuttgart herausgesucht. Leider gibt es sowohl Virigina Jetzt! seit 2010 als auch die „Röhre“ nicht mehr. Letzteres „verdanken“ wir Stuttgart 21. Ich erinnere mich gerne und oft an diesen Abend. Es war ein so kleines und persönliches Konzert zu der achso persönlichen Lieblingsmusik, man konnte ganz locker zum Foto schießen in die erste Reihe huschen. Kein Gedränge, nur fröhliche und feiernde Leute und familiäre Atmosphäre. Und obwohl ich schon zum Fantreffen 2007 VJ! live im Cottbuser Gladhouse erleben durfte, hat die Röhre einfach einen Charme, den ich so in wenigen anderen Clubs erlebt habe. Und obwohl ich wirklich Heimat-Liebhaber bin, das Konzert in Cottbus wahnsinnig toll fand und der Abend ein mega Erlebnis für mich war, kommt er nicht an den Abend in Stuttgart in der Röhre heran und ich kann euch nicht einmal erklären warum nicht, es war einfach was Besonderes. Ganz im Sinne von „Dieses Ende wird ein Anfang sein“ – in aller Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht ein Comeback der netten Jungs geben wird, hier nun Titel und Foto für euch.

http://www.youtube.com/watch?v=hFBZJxjmzcg

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Früher

… war alles besser, heißt es von so vielen. Von anderen wiederum: „Seid froh dass ihr es heute so einfach habt, früher war alles anders“. Wer mag das schon zu beurteilen, werten wir doch die Vergangenheit äußerst subjektiv immer nur an den besonders positiven oder negativen Erinnerungen. Wer verzichtet heute schon gerne auf den Luxus von Waschmaschine, Internet, Smartphone usw. Aber was man nicht hat kann man doch auch nicht vermissen? Was macht unser persönliches „Früher“ aus? Klar in erster Linie die eigenen Erinnerungen, viel schöner, spannender sind doch aber die Dinge, die wir nur berichtet bekommen weil wir selbst nicht dabei waren oder zu jung waren um uns daran zu erinnern. Wer lauscht nicht gerne Geschichten von Früher, von den Eltern und Großeltern, deren Erleben wir anhand der Erzählungen nur erahnen können und so spannend finden, dass wir auch gerne live dabei gewesen wären, egal welch Luxus uns in der jeweiligen Zeit verwehrt gewesen bliebe. Klar verzichten wir gerne darauf, Samstage in der Waschküche am Waschbrett zu verbringen, reicht es uns doch die Waschmaschine oder die Spüli ein und auszuräumen. Ebenso könnte ich inzwischen darauf verzichten den E-Maileingang täglich bis zu 15 Minuten von der Informationsflut geschäftlicher und privater E-Mails zu befreien, egal welch Luxusproblem das für unsere vorherigen Generationen darstellen mag. Aber gerade das Unbekannte ist oft das spannendste. Ebenso wie wir doch immer das haben wollen was wir nicht haben, und seien es nur die glatten Haare wenn wir selbst mit Naturlöckchen beschenkt wurden.

Aber jede Zeit und jeder Lebensabschnitt hält neue Abenteuer bereit, das nachzuempfinden gelingt uns am besten durch Bilder, Gegenstände und Erzählungen aus der Zeit an die wir uns nicht mehr oder nur wage erinnern, die uns aber doch persönlich betreffen. Fotos sind klar am spannendsten, zeigen sie und doch – zumindest in meinem Alter – schwarz auf weiß, statt Farbe, wie und wo wir uns als Knirpse so rumgetrieben haben und was wir erlebt haben. Bilder lassen aber wenig Raum für Fantasie, so schön sie auch sein mögen. Interessanter finde ich die nicht greifbaren, nicht dokumentierbaren Dinge. Ich habe hier noch einen Schatz aus meiner Kindergartenzeit im Schrank rumliegen, den ich mir gerne immer mal wieder anschaue, wenn man dem grauen Alltag unserer Zeit mal wieder entschwinden will. Ich gebe zu, meine Werke zeugen weder von besonderem Talent noch wartet da vor der Tür ein Vertreter der abstrakten Künste der diesen Werken die nächste Ausstellung widmen würde. Trotzdem man sich nicht an die Erschaffung der eigenen frühen Werke erinnern kann, ist es super spannend was man sich wohl als Zwerg in dem Moment des Zeichnens dabei gedacht hat.

Oben auf habe ich mal ein besonders „interessantes“ Exemplar aus der Sammlung herausgefischt. Entstanden 1988, mit 3 Jahren. Nun lasst das Ganze einfach auf euch Wirken und erratet das Thema des Bildes! 😉

Ach ihr kommt sowieso nicht drauf – es lautete: „Auf der Spree schwimmen viele Enten“. Die Umsetzung hat etwas grusliges, mag es Absicht, künstlerische Freiheit oder einfach nur der Grobmotorik des Alters geschuldet sein. Die Interpretation dessen, überlasse ich mal euch.

Welche Gegenstände habt ihr noch aus eurer Kindheit, an die Ihr euch nicht erinnern könnt, aber wisst dass sie ein fester Bestandteil eurer Vergangenheit sind und sei es nur weil auf der Sammelmappe dick euer Name steht?

 

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Verloren

… hat wohl schon jeder so einiges. Das fängt im Haushalt mit den Kleinigkeiten an wie der in den Abfluss gefallene Ohrstecker und zieht sich fort über Schlüssel, Handschuhe etc. in freier Wildbahn, bis hin zu liebgewonnen Menschen, Umgebungen und Gewohnheiten.

Verlorene Dinge lassen sich leider nur so schlecht fotografieren, wüsste man wo sie sind, wären sie schließlich nur verlegt statt verloren. Wer verliert schon gerne, egal ob im Spiel oder die Dinge die man braucht oder einfach mag. Leider verliert man immer die Dinge, die sich schwer bis gar nicht ersetzen lassen. Zumindest mir geht es so. Aber das alltägliche Leben zeigt uns oft genug, das Menschen alles verlieren. Das fängt bei A wie Anstand an, geht über das Bonbonpapier, Taschentuch sogar bis hin zum Verstand und nicht zuletzt den Zacken in der Krone. Und niemand von uns ist davor gefeit.

Es fiel mir wirklich nicht leicht ein Objekt der Begierde für dieses Thema vor die Linse zu bekommen und eigentlich empfand ich es viel zu banal für ein Foto für das Thema der Woche. Aber vielleicht kennt ihr es ja auch.. da läuft man tagtäglich seinen gleichen Weg, in meinem Fall zur Ubahn, und dann liegt da irgendetwas am Straßenrand, zwingt euch tagtäglich hinzuschauen, man kann einfach nicht wegschauen – wie bei einem Unfall. Ein eigentlich so belangloser Gegenstand, ihr wisst genau wo er liegt und euer Blick geht jeden Tag einfach nicht daran vorbei, ihr müsst schauen ob er noch da liegt, weil ihr euch jedes mal diesselbe Frage stellt, die euch inzwischen schon mehrere Minuten am Tag beschäftigt. Wie verliert jemand diesen Gegenstand?! Bei mir ist es seit fast 2 Wochen so, mit dieser achso – im wahrsten Sinne des Wortes – Socke. Einsam, allein am Wegesrand, auf einem kleinen Stück Grün direkt neben einer Tankstelle, liegt sie da, bei Wind und Wetter. Bei den meisten Gegenständen ist es absolut nachvollziehbar wie sie verloren gegangen sein könnten, mancher fahrlässig, mancher unbedacht und versehentlich. Aber eine Socke hat man doch an, vorzugsweise mit Schuh drüber? Oder ist es einfach nur eine aus dem Gulli hochgespülte die sich aus der Waschmaschine des Nachbarn den Weg in die Freiheit bahnte? Oder einfach ausgesetzt, weil der Kumpel dazu nicht mehr auffindbar war? Oder vielleicht doch nur schnell entsorgt, weil der ältere Herr spontan feststellte, dass Sandalen mit Socken einfach nicht gesellschaftsfähig sind?

Das Foto ist unspektakulär und spontan mit dem Handy entstanden – aber manchmal muss man auch gerade den belanglosen Dingen mal ein Foto widmen, und sei es nur damit ihr auf eure Zehenwärmer besser Acht gebt.

Welche verlorenen Gegenstände lassen euch grübeln? Was habt ihr schon kurioses gefunden, wo ihr einfach keine realistische Erklärung für deren Verlust finden könnt?

In diesem Sinne einen schönen Samstagabend euch allen 🙂

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Augen

haben wir doch den ersten Monat schon geschafft, geht es weiter mit dem ersten P52-Februar Thema „Augen“. Ich mag Augen, vor allem aber die der anderen. Aber nicht auf mich gerichtet – weder auf Fotos, noch bei Vorträgen in der Schule damals noch erwecke ich sonst gerne Aufsehen und mache mich zum Mittelpunkt. Aber Augen sind schön.. Augenkontakt noch schöner, aber lieber ganz privat, ohne die Augen Dritter dabei. Drum komme ich auch bei den achso armen, verzierten Kakteen aus dem Baumarkt nur ganz schlecht vorbei, ganz egal wie achso schlecht das für das Pflänzchen selber ist. Man möchte mit Ihnen reden und reicht der Kaufrausch bei Frauen und Grünzeugs nicht ohnehin schon, kann ich einfach nicht an so einem kleinen, armen, stachligen Geschöpf mit Augen vorbei gehen, was förmlich zu mir spricht.. „nimm mich mit, nimm mich mit *mitdenWurzelnwedel*“. Es fehlt nur noch der herzzerreissende Wimpernaufschlag, aber auch ohne diesen habe ich doch schon eine beachtliche Sammlung der kleinen mit Heißkleber gequälten Freunde in meiner Wohnung rumstehen. Fühlt man sich doch gleich nicht mehr so allein, wenn einem auch der Kaktus in jedem Zimmer den ein oder anderen lieben Blick schenkt. Angefangen hat alles mit einem kleinen 1€ Sonderangebot-Freund im Büro. (An dieser Stelle RIP Rüdiger) Er hat leider bei den Mitkolleginnen soviel Mitleid erregt, dass sie ihn in meinem Urlaub mit Wasser übergossen haben und er still und leise vor sich hin faulte. Jegliche Wiederbelebungsversuche meinerseits scheiterten.. einzig seine gequält dreinblickenden Augen bleiben mir bis heute im Gedächtnis.

Den ein oder anderen habe ich inzwischen aber doch schon sehr sehr lange. Da wachsen die Augen mit und der niedliche Welpenblick ist schnell passé. Es wird dann eher ein verwirrter, nicht mehr zu interpretierender „Gesichtsausdruck“ daraus. Aber auch das gibt den kleinen Freunden soviel Persönlichkeit, dass ich es nicht übers Herz bringe sie von der Last zu befreien oder gar noch schlimmer – sie zu entsorgen.

Ich stehe also dazu – ich bin ein Kakteenquäler mit Hang zur Vermenschlichung, aber ich liebe die kleinen genügsamen Kumpels trotzdem, mit jedem ihrer Stacheln.

 

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